Kirchenführer für unsere Pfarrei
Das Original wurde angefertigt aus Anlass des Besuchs der
KOMTUREI ST. ULRICH UND AFRA AUGSBURG
in Söcking am 19.07.2003

Geschichtliches | Geistl. Rat Karl Hindelang | Maße des Bauwerkes | Lage der Kirche | Glocken | Ansicht von Süden | Eintritt | Architektur | Innenraum | Fenster | Altar | Orgel | Taufkapelle | Ausgang | Kirche St. Stephan

45 Jahre St. Ulrich in Söcking

Geschichtliches

45 Jahre Pfarrkirche St. Ulrich in Söcking ist ein angemessener Anlass zu feiern und auch einen kleinen Rückblick zu halten.

Die Gemeinde Söcking verfügte vor dem Bau der Ulrichskirche über die Dorfkirche St. Stephan, deren Platzangebot der insbesondere nach dem Krieg sehr stark expandierten Gemeinde nicht mehr gewachsen war.

Söcking wurde seelsorgerisch von Starnberg aus mitbetreut, weshalb es auch kein Pfarrhaus oder wenigstens eine Wohnmöglichkeit für einen Seelsorger gab.

Der damalige Bürgermeister Maximilian von Dziembowsky nutzte die Spannungen zwischen dem Starnberger Stadtpfarrer und seinem Kaplan aus und holte Karl Hindelang als Expositus nach Söcking.

Er mußte sich zunächst mit einem Zimmer im Anwesen des Fürsten Hanau begnügen. Weder Kirche noch Unterkunft entsprachen seinen Vorstellungen, war er doch ein sehr musischer Mann mit entsprechenden Ambitionen hinsichtlich einer gut funktionierenden Pfarrei mit Chor, Orchester u.s.w.

Seine guten Kontakte zum Bischof führten schliesslich in Augsburg zur Erkenntnis zum Bau einer neuen Kirche. Nach verschiedenen Vorschlägen zum Abriss von St. Stefan und Erstellung eines Neubaus an gleicher Stelle, fand sich durch ein vorbildliches Engagement von Karl Hindelang und Gottes Fügung ein geeignetes Grundstück für den Neubau von St. Ulrich.

Mit der Planung wurde der an der TU München lehrende o. Professor Georg Werner beauftragt.

Für die Erstellung der Altarwand wurde der Bildhauer Georg Brenninger beauftragt, aus dessen Hand auch der Giebelschmuck auf dem Münchner Nationaltheater stammt.

Für die Glaswände im nördlichen und südlichen Seitenschiff wurde Prof. Franz Nagel beauftragt.

Der Initiator und Erbauer der Kirche
H.H. Geistl. Rat Karl Hindelang

Geburtsjahr: 07.06.1914, als drittes Kind von insgesamt 5 Geschwistern
Geburtsort: Grafing
Schulzeit: Kempten
Gymnasium: Dillingen a. d. Donau
Abitur: 1934
Priesterseminar: Dillingen
Priesterweihe: 2. Juli 1939 durch
Bischof Kumpfmüller
1. Stelle: Kaplan in Senden
2. Stelle: Kaplan in Göggingen
3. Stelle: Seit 1. Mai 1946
Kaplan in Starnberg
4. Stelle: Expositus in Söcking
Planfertigstellung
St. Ulrich Söcking

10. Dezember 1955
Plangenehmigung: 31. August 1956
Weihe des Grundsteins: weißer Sonntag 1957
Einweihung der Kirche: 01. November 1958 durch
Bischof Dr. Josef Freundorfer
Gestorben: 09.04.1986 in Söcking

Seine Nachfolger

1. Nachfolger: DDr. Petar Vrankic
von 1987-1993
2. Nachfolger: Florian Geis von 1993-2002
3. Nachfolger: Dr. Jacob Vadakkel seit 2002

Maße des Bauwerkes

Abmessungen: Länge über alles
61,50 m
  Breite über alles
20,54 m
  Breite Langschiff Westseite
11,20 m
  Breite Langschiff Ostseite
10,20 m
  Höhe bis zum Firstbalken
17,70 m
  Höhe bis zum Ringanker
15,20 m
  Höhe der Seitenschiffe
4,50 m
  Höhe des Kirchturms
53,00 m
  Höhe des Turmkreuzes
3,50 m

Lage der Kirche:

Schon von weitem sichtbar ist der einschließlich Turmkreuz rund 56 m hohe markante Turm der
Ulrichskirche in Söcking. Wie ein Digitus Dei, ein Zeigefinger Gottes, ist er von weitem bereits erkennbar. Er wird als Besonderheit von einem 3,50 m hohen Petruskreuz bekrönt. Der Apostel Petrus wurde ja bekannterweise mit dem Kopf nach unten gekreuzigt, weil er aus Ehrfurcht nicht genauso wie Jesus sterben wollte. Ob von der Autobahn kommend, vom Ostufer des Starnberger Sees, oder von Pöcking in Richtung Starnberg, der Kirchturm von Söcking weist uns immer den Weg.

Von Starnberg in Richtung Söcking auf der Maximilian-von-Dziembowski-Straße, erstreckt sich am Übergang zur Andechser Straße ein Landschaftsschutzgebiet, an dessen nördlichem Ende das beeindruckende Ensemble der Ulrichskirche mit dem zugehörigen Pfarrhof liegt. Das südliche Langschiff in Verbindung mit dem Turm bildet dabei die Schauseite der Fassade.


   
Das gesamte Ensemble fügt sich harmonisch in den ihn umgebenden Wald und die angrenzenden Grünflächen ein. Vier von ehemals 5 vor der Kirche stehenden Bäume, verstärken die Zurückgezogenheit der an sich gewaltigen Baumasse von 61 m Länge und 18 m Höhe. Der ca. 56 m hohe Turm besteht aus einem achteckigen Kupferspitz auf einem 16 m hohen Steinkubus, in dessen Innerem sich die Werktagskapelle befindet.


Glocken

Im Turm hängen 4 Glocken, deren Klang aufgrund der erhöhten Lage der Kirche weit zu hören ist. Ein sogenanntes Te-Deum-Geläut (E-g-a) ruft die Gläubigen zum Gottesdienst und Gebet und begleitet seit nunmehr 45 Jahren die Menschen von der Taufe bis zu ihrem letzten irdischen Gang.

   
Die erste Glocke mit einem Gewicht von1050 kg, ist in E gestimmt und dem hl. Bischof Ulrich als Pfarrpatron geweiht, dessen Bild sie auch trägt. Die Inschrift lautet: „Heiliger Diözesan- und Kirchenpatron Ulrich, bitte für uns“.

Die zweite Glocke (580 kg) in g, ist die Christkönigsglocke. Sie trägt neben dem Bild den Text: „Jesus Christus, rex noster, custodi nos, sanctifica nos, salva nos (Jesus Christus, unser König, behüte uns, heilige uns, rette uns).

Die dritte Glocke (430 kg) in a, ist der Mutter Gottes geweiht. Maria, stehend auf der Erdkugel, wird durch den Text: „Maria, wir dich grüßen“ kommentiert.

Die vierte Glocke (240 kg) ist die Josephs-Glocke und trägt die Inschrift
„Heiliger Josef, hilf uns zu einem guten Sterben“.

Auf den Glocken sind neben den bildlichen Darstellungen und den Texten auch die Namen des Söckinger Stifterehepaares Randebrook verzeichnet.


Ansicht von Süden:

Das Seitenschiff der Kirche wird getragen durch 3 schwere Pfeiler, zwischen denen sich ein Wabenwerk aus Gußbetonsteinen mit bunten Bleiglasfenstern befindet. Die große, über dem Seitenschiff befindliche Fläche des Langhauses, wird von 5 grossen Rundfenstern durchbrochen, die wie schwarze Augen wirken. In der Tat sind diese Fenster Augen, denn sie sind in ovalen Einfassungen in das Mauerwerk eingelassen. Wie Fischaugen, ein Hinweis auf das ikonografische Symbol des Kirchenpatrons, bestimmen sie die Fassade und lockern so im Verbund mit den Bleiglasfenstern des Seitenschiffs die strenge Fassade auf.

Der Sockel des Seitenschiffs ist in Form einer steinernen Bank gearbeitet. Dies erinnert an manche Kathedrale in Italien, wie beispielsweise in Pisa, wo das Sich-Aufhalten an den Stufen der Kirche, Zeichen der Verbindung des Baus mit dem Menschen ist. Dieser Ort in Söcking ist ein traumhaftes Plätzchen, von dem man einen herrlichen Ausblick über das grandiose Panorama der Alpen hat.

Eintritt

   
Über eine breite Treppe zwischen Turm und Seitenschiff betritt man die Kirche. Über dem Portal grüßt den Eintretenden in italienisch-römischer Manier die Weiheinschrift der Kirche:

HAEC ECCLESIA AEDIFI
CATA AD GLORIAM DEI
ET IN HONOREM ST UDAL
RICI AT MCMLVII PIUS XII
PONTIFEX MAXIMUS IO
SEPHUS EPISCOPUS AUG

(Diese Kirche ist erbaut zum Ruhme Gottes und zur Ehre des hl. Ulrich im Jahre des Herrn 1957 unter Papst Pius XII und Joseph, Bischof von Augsburg).

Nach dem Eintreten liegt das Kirchenschiff auf der rechten Seite regelrecht zu Füssen, denn wie in vielen Basiliken aus der Romanik, ist das Schiff um einige Stufen herabgesetzt. Linker Hand erhebt sich über dem Besucher die nur wenige Stufen erhöhte Empore mit der imposanten Orgel und der grandiosen Rosette in der Westwand. Im Westen die Empore und im Osten der Chorraum sind erhöht, der dazwischen liegende Gemeinderaum aber ist um 3 Stufen abgesenkt. Den Besucher wundert anfänglich, dass die Empore, wie aus anderen Kirchen gewohnt, nicht in lichter Höhe von der Gemeinde entrückt ist. Betrachtet man aber die Empore genau, so erschließt sich ihre Gestaltung anhand des gesamten Raumes. Die Empore bildet, gleichsam als Pendant, die Anwort auf den Altarraum. So ist hier, ähnlich der Hochromantik, eine Doppelchoranlage verwirklicht. Obwohl die Kirche noch vor dem zweiten vatikanischen Konzil gebaut wurde, ist hier schon durch die Verwendung der Doppelchoranlage, wenigstens in Anklängen der Gedanke zu finden, wonach der Sängerchor Teil der Gemeinde ist.

Architektur

Die Kirche St. Zeno in Verona ist der gedankliche Pate der Söckinger Ulrichskirche.
Die Fassade ist jedoch ein typisches Beispiel der Baukunst der 50er Jahre. Es wirken die Architekturströmungen der Zeit, wie etwa die flächenbetonte Gestaltungsweise, mitgeprägt durch das Bauhaus. Kirchenbauten dieser Zeit zeigen des öfteren eine blockhafte Gestaltung. Charakteristika, die auch auf die frühe romanische Architektur zutreffen. Gefördert werden solche Assoziationen weiterhin durch die optischen Effekte der bevorzugten Natur- und Backsteinmauerwerke. Durch die Verblendung des gesamten Kirchenbaus mit farbigen, zum großen Teil in Flachpossen gebrochenen Muschelkalksteinen aus verschiedenen Vorkommen, die die großen Flächen beleben, reiht sich die Kirche als originärer Bau in die Architekturgeschichte der 50er Jahre ein.

   
Heutzutage würde man eher einen halbrunden oder runden Baustil bzw. auch einen ellipsenförmigen Baukörper bevorzugen, in dessen beiden Brennpunkten der Ellipse der Altar und Chorbereich untergebracht sind.

 



Innenraum

Anläßlich der Weihe des Grundsteins am weißen Sonntag des Jahres 1957 sprach der damalige Bischof von Augsburg, Dr. Josef Freundorfer:

„Diese Kirche ist ein Gebet“

Der überwältigende Raumeindruck mit der Altarwand bestätigt dies. Man könnte ein monumentales Gebet in Stein gefaßt hinzufügen. Lang, schlank und hoch, zeugt der mächtige Bau von der Kraft des Glaubens an das menschgewordene Wort Gottes.

Vom Abschlußgitter aus betrachtet, liegt ein dreischiffiger Raum mit 40 m Länge und fast 20 m Breite vor uns. Im Osten schließt der Altarraum mit der alles beherrschenden Altarwand ab. In Richtung Westen betrachtet, sehen wir die Empore mit der Orgel und der großen Rosette mit über 6 m im Durchmesser.

Vier mächtige Pfeiler ergeben 3 Arkaden und öffnen das Mittelschiff zu den Seitenschiffen. Statt massiver Wände werden diese Seitenschiffe von Bleiglasfenstern begrenzt. Vom Mittelschiff führen jeweils 10 Stufen zur Höhe des Altars bzw. auch der Empore.

Die bereits erwähnten 5 riesigen Rundfenster in der südlichen Mittelschiffswand geben dem ganzen Raum Licht. Die nördliche Wand ist im Mittelschiff nicht durchbrochen. Das harte Weiß der großen Wandflächen wird durch den warmen ziegelroten Klinkerboden kompensiert.

Gedeckt wird das Mittelschiff von einem offenen Sparrendach. 93 Sparrenpaare, jedes nach Entwürfen von Prof. Franz Nagel bemalt, mit Zugankern gehalten, überwölben den großen Raum. Der 18 m hohe Innenraum mit der einfachen, dennoch kühnen Dachkonstruktion, ist eine statische Meisterleistung. Stahlbetonstützen ziehen sich hin bis zur Decke. Die Zwischenräume sind mit Mauerwerk ausgefacht. Um der Kirche eine noch schlankere Wirkung zu geben, griff Prof. Georg Werner zu einem einfachen perspektivischen Trick. Vom Westchor bis zum Ostchor hin verjüngt sich der Bau. Das hat zur Folge, dass die Kirche von hinten gesehen länger und schmäler erscheint, als sie tatsächlich ist. Die Höhenwirkung der Kirche wird dadurch noch unterstützt. Für den Vorsteher der Gemeinde ab schrumpft der Raum, d.h. die Gemeinde rückt näher an den Altar heran. Vom Westen nach Osten verjüngt sich die Kirche um exakt einen Meter. Diese architektonische Raffinesse wirkt sich natürlich auf die gesamte Statik des Baues aus. So mußten die Dachsparren nach Osten hin kürzer werden. Die Drucklast im Dachbereich ist also in der ganzen Kirche ungleich.

Die schon erwähnten 3 Arkaden brechen den Raum zu den Seitenschiffen auf. Diese Arkaden, ausgedrückt nicht durch Rundbögen, sondern durch rechte Winkel, weisen auf eine weitere Qualität des Baues hin. Prof. Georg Werner verstand es, diesen im Prinzip romanischen Raum von romanisierenden Elementen freizuhalten, indem er bewußt Motive des Bauhauses aufnahm. Der Gedanke des rechten Winkels wird gekrönt durch die geniale Altarwand von Prof. Brenninger, die den Gesamtraum beherrscht.

Fenster

   
Eine große Rolle spielt das Licht in einer Kirche. 5 Rundfenster mit 3,80 m Durchmesser in der Südwand des Mittelschiffes schenken dem Raum strahlende Helligkeit. Das bereits auf der Aussenseite erwähnte Augenmotiv, ist auch im Inneren der Kirche vorhanden. Die Abflachung der Einfassung der Rundfenster in ein Oval, nimmt den Wandaugen die Härte.

Die Seitenschiffe werden von den farbigen Bleiglasfenstern bestimmt. Diese Fenster, deren Entwurf von Prof. Franz Nagel stammt, schenken dem Raum Kostbarkeit und mildern die Strenge des Gesamtraumes. Die Darstellung der auf beiden Seiten des Kirchenschiffes befindlichen 3 Fensterflächen ist rein abstrakt. Dennoch sind insgesamt 7 große Flammenflächen zu erkennen, die die Farbflächen beherrschen. Gleichsam den 7 Sakramenten als Flammen. Mit den Farben grün und blau scheint man auf das Irdische, Erde und Wasser, hingewiesen zu werden. Diese Flächen werden immer wieder von goldgelben Stücken durchbrochen, die die Existenz des Göttlichen schon im Irdischen darstellen. Die Buntglasflächen werden an wenigen Stellen von linsenartigen Weißgläsern unterbrochen. Im Gegenlicht wirken diese wie Sterne, die das Universum erhellen.

Als Entgegnung zu den großen Rundfenstern in der südlichen Mittelschiffswand, baut sich im Altarraum neben der Altarwand eine ganz anders geartete Fensterfläche auf. Wirken die Rundfenster in lichter Höhe, so durchbrechen 50 quadratische Fenster vom Boden bis zum Dach die Nordwand. Die Schule des Bauhauses in der Verwendung von Kubus und Licht wird hier wieder sehr deutlich. Diese Entgegnung der quadratischen Fenster zu den Rundfenstern mag auch symbolisch verstanden werden. Das Rund ist Zeichen der göttlichen Vollkommenheit. Das Viereck in seiner Vielzahl ist dagegen Zeichen des irdischen. Der Norden symbolisiert die Welt, die ganz Johannäisch gedacht böse, dämonenhaft ist. Der Süden dagegen ist die Richtung des Guten, die Richtung aus der das Licht, das Göttliche kommt. Daß diese Deutung der Fensterflächen ihren Sinn hat, wird auch an einer anderen Stelle dieser Kirche bewiesen. Beim Durchschreiten des Südportals, das hoch und mächtig wirkt, fallen die vielen Bronzeknöpfe auf, die die Pforte stark aber nicht abweisend zieren. Das Nordportal dagegen ist kleiner als das Südportal und ist mit einer stattlichen Zahl von Eisenspitzen bewährt. Es ist abweisend, kriegerisch, das barbarische und dämonische hat vor der Tür zu bleiben.

   


Ein weiterer Höhepunkt dieses Kirchenbaues befindet sich in der Westwand. Dort thront über dem Orgelprospekt in lichter Höhe eine Rose aus Treuchtlinger Kalkstein von bezaubernder Schönheit. Die Rose im Kirchenbau zu verwenden, ist eine jener wertvollen römisch katholischen Traditionen der Kirchenbaukunst, die in unserem Jahrhundert wieder so häufig aufgenommen wurde. Die Rose, Zeichen für die Mutter Gottes, liegt gegenüber der Altarwand, wo es heißt das Wort ist Fleisch geworden. Im Mittelpunkt der 6 m großen Rosette befindet sich ein Auge aus Bleiglas, das ein prämiertes Gesellenstück ist.

4 Fensterelemente weist also die Kirche auf. Den Fries mit den 5 Rundfenstern, die Quadratfensterfläche, die Bleigläser in den Seitenschiffen und die Rose im Westen. Alle Fensterelemente schenken dem Innenraum je eine andere Beleuchtung. Eine besondere Augenweide ist es, wenn die Sonne am späten Nachmittag durch die Rundfenster die Altarwand punktuell beleuchtet. Ebenso schön ist es, wenn die schräg einfallenden Strahlen der Wintersonne die Bleiglasflächen des Südschiffes erstrahlen lassen. Dann wird es im Kirchenraum bunt, wie von Edelsteinen durchsetzt.


Altar

   
Ein Kunstwerk besonderer Güte stellt der Altar dar. Die Eingangs schon erlebte Monumentalität des Kirchenbaus durch seine klaren, am Kubus orientierten Formen, erlebt in der Altargestaltung ihren Höhepunkt. Der Kubus als Gestaltungsprinzip baut sich mächtig vor der Gemeinde auf. Der Söckinger Altar drückt eine schier unnahbare, manch einem Betrachter bedrohende Macht aus. Denn eine 14 m hohe, 6 m breite und 50 cm tiefe freistehende Mauer gibt dem Menschen ein Zeichen.

Bis hierher und nicht weiter. So sind dem Menschen Grenzen aufgezeigt. Der Logos, das fleischgewordene Wort Gottes, behauptet sich in Stein gemeißelt vor uns. In großen Buchstaben ist in lateinischen Worten das 1.Kapitel des Johannesevangeliums, der Johannesprolog, in Huglfinger Tuffstein eingegraben. In fast archaischer Würde und Unnahbarkeit baut sich vor der Gemeinde ein steinernes Glaubensbekenntnis auf. Es ist das Bekenntnis der Christenheit vom Mensch gewordenen Gott, dessen Herrlichkeit die Welt erleuchtet.

Die von Prof. Georg Brenninger geschaffene Altarwand ist die größte ihrer Art nördlich der Alpen und trennt das Presbyterium der Kirche von den dahinterliegenden Sakristeiräumen.


   
Zur Auflockerung der Schriftenwand wurden vier 1,20 m hohe Plastiken in den Text eingefügt.
  1. Eine ruhende Christusfigur (Christus als der ewige, anfanglose Logos, das Licht der Menschen. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott......
    (Joh. 1, Vers 1 bis 5.)
  2. Christi Einzug in Jerusalem (Das wahre Licht, das in die Welt kommt. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinigen nahmen ihn nicht auf. (Joh. 1, Vers 9 bis 11.)
  3. Der reiche Fischfang, hier Christus als Menschenfischer (allen aber die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden.
    (Joh. 1, Vers. 12 und 13)
  4. Taufe, hier Christus als Täufer in unmittelbarer Nähe des Altartisches.

   
Damit ist eine Verbindung des weihnachtlichen Gedankens gegeben, war doch der Johannesprolog das sogenannte Schlußevangelium der Liturgie vor dem 2. vatikanischen Konzil. Die unterste Darstellung der Altarwand wird fortgesetzt durch die Handlung am Altarstein. Es ist ein freistehender Monolith aus dunkelgrünem Berne-Marmor.

 


   
Ein Schmuck besonderer Art, ist der wunderschön gearbeitete Tabernakel in der Mitte der Altarmensa. Das Bildprogramm des nach Entwürfen von Prof. Georg Werner gearbeiteten Tabernakel, stellt die 4 Evangelisten dar. Zwischen vergoldetem Silberblech eingelassene Emailarbeiten bieten wiederum die Fortführung des Wortes, das sich in den Evangelien niedergelassen hat. Die Schauseite beherrscht natürlich der Evangelist des Prologes Johannes. Die Synoptiker zieren die anderen Seiten. Interessanterweise werden auch die Evangelisten wie die apokalyptischen Begleitwesen mit Flügeln dargestellt. In dieser Darstellung handelt es sich um eine Sonderform der Evangelistenbilder. Es wird der visionäre Evangelist durch die Beflügelung ausgedrückt. Diese seltene Darstellungsweise ist beispielsweise im sogenannten Bernward Evangeliar zu finden.


   
Eine Aufgabe der kommenden Zeit wird es sein, diesen Altarraum den Erfordernissen der Liturgieerneuerung des zweiten vatikanischen Konzils anzugleichen. Der immer noch provisorische Zelebrationsaltar wirkt als Fremdkörper und stört den Raumeindruck in nicht angemessener Weise. Dieses Provisorium ist der Grandiosität der Altarwand nicht angemessen. Es muss eine neue, der Kraft der Wand und des Marmorblocks entsprechende Lösung gefunden werden. In die Überlegungen ist auch der Ambo mit einzubeziehen. Die hölzerne Kanzel mit ihrem unterstützenden Stein, stellt ebenfall nur ein Provisorium dar.

   
An das Mittelschiff schließen sich die beiden Seitenschiffe an. An der westlichen Rückwand ist jeweils ein Beichtstuhl zu finden. Nach Osten werden die Seitenschiffe durch schön geschnittene Absiden begrenzt. Prof. Werner greift auch hier wieder auf die gute durch die Romanik entwickelte Tradtition von der Apsis zurück. Ein einfacher, in Kuben ausgedrückter Altartisch aus dunklem poliertem Granit ist zur Feier des Gottesdienstes in den Absiden vorgesehen. Auch hier zeigt sich wieder deutlich die Verbindung zum Bauhaus. Die überzeugende und doch erhabene Einfachheit der
Apsis, wird im schlichten Altarstein fortgesetzt. Der nördliche Apsisaltar ist dem Pfarrpatron, dem hl. Bischof Ulrich geweiht. Der Marienaltar in der südlichen Apsis wird durch eine neobarocke Figur der Muttergottes ohne Kind geziert.

An den Pfeilern der Seitenschiffe sind die Stationen des Kreuzweges zu finden. Dieser einfache, aus Eichenholz gefertigte, gekalkte, leicht gefaßte und an wenigen Stellen zart vergoldete Kreuzweg, ist ein schlichtes Produkt der 50er Jahre.

Die Decken der beidenSeitenschiffe sind als Ergänzung zum Mittelschiff in einer einfachen Holzkonstruktion ausgeführt.


   
Orgel

Die schon beschriebene Westchoranlage wird von Orgel und Rosette bestimmt. Betrachtet man vom Ostchor aus das Mittelschiff und den Westchor, so fällt der harmonische Aufbau der gesamten Anlage auf. Der Orgelprospekt, die Emporenbrüstung, wie die Kirchenbänke, sind in schlichtem Eichenholz gearbeitet. Der Raum baut sich nach Westen in harmonischer Weise auf, so dass die Orgel nicht wie ein Fremdkörper wirkt, sondern Teil eines räumlichen Gesamtkonzeptes ist. Die Orgel stammt von der Orgelbaufirma Zeilhuber aus Altstätten im Allgäu und wurde 1962 gebaut. Die Disposition der Orgel arbeitete der damalige Augsburger Domkapellmeister Domkapitular Paul Steichele aus.


   
Taufkapelle

Über die Empore kommt man durch einen kleinen Verbindungsgang in die Taufkapelle unterhalb des Turmes. Die Taufkapelle ist ein kleiner harmonischer
liturgischer Raum von bestechender Schönheit. Über der verhältnismäßig kleinen Grundfläche erhebt sich ein hochaufragendes Klostergewölbe.



   
Der ganze Raum ist aus warmen ziegelroten Klinkersteinen hochgemauert, die durch Bänder aus Muschelkalksteinen unterbrochen werden. So ergibt sich eine Einheitlichkeit besonderer Güte. Über dem Verbindungsgang öffnet sich diese Kapelle ein kleiner Balkon.

Ein schönes schmiedeeisernes Balkongitter mit goldenen Kreuzen nach dem Entwurf von Prof. Werner verziert den Raum in besonderer Weise.

Der aus Treuchtlinger Muschelkalk bestehende Taufstein ist etwas aus der Mitte des Raumes gerückt. Er kann mit einem Bronzedeckel geschlossen als Altar genutzt werden. So kann dieser schöne Kapellenraum zur Eucharistiefeiern im kleinen Rahmen verwendet werden.

An der Südwand gegenüber dem Eingang hängt ein überlebensgroßes Kruzifix des Söckinger Holzschnitzers Heinrich Lenz.

   

In die Ostwand der Kapelle ist ein Tabernakel eingelassen. Über dem Tabernakel thront eine schlicht ruhende fein gearbeitete Marienfigur mit Kind.

   
Die Westwand wird geziert durch eine rein aus Perlen bestickte Ikone nach äthiopischem Muster. Diese von den Gläubigen sehr verehrte Arbeit, die in einem goldenen Rahmen fest in die Mauer eingelassen ist, ist wie die Antipendien ein Werk der Söckinger Paramentenstickerin Franziska Müller.

Ausgang

Mit der Besichtigung der Taufkapelle endet der Gang durch die Pfarrkirche St. Ulrich in Söcking. Verläßt man die Kirche wieder durch das Südportal, durchschreitet man einen durch die Renaissance angeregten Portikus, der den Besucher mit den Worten entläßt:

DOMINE MISERERE NOBIS

    Herr, erbarme Dich unser, es ist das Wort des den heiligen Raum Verlassenden.

Verläßt man den Raum durchs Nordportal, kommt man an einem Bildstock mit einer auf vergoldetem Eichenholz gemalten Kopie der „Mutter der schönen Liebe“ vorbei, der von Pfarrer Florian Geis 1998 gestaltet und gemalt wurde.

   



Kirche St. Stephan in Söcking

   
Das Stephanskircherl mit dem ihn umgebenden Friedhof, lässt sich leider geschichtlich nicht nachvollziehen. Als einzige Quelle dient ein Schriftwechsel aus dem Jahre 1593 zwischen dem Maler Sigmundt Hebenstreidt aus München und Herzog Wilhelm V, aus dem wir erfahren, daß Hebenstreidt die Altarbilder und die Statuen in der St. Stephan-Kirche in „Sekhing“ restauriert hat.

Die Kirche, so wie sie heute steht, gehört im Wesentlichen dem 18. Jahrhundert an, ist aber im Kern sicher mittelalterlich. Reste gotischer Bauteile und Fresken, die während der letzten Renovierung zwischen 1977 und 1980 zum Vorschein kamen, lieferten den Beweis.

Der einschiffige Bau hat einen polygonal gebrochenen Chor, einen kleinen Sakristeibau im Norden, einen Vorbau am südlichen Eingang und einen das Bauwerk prägenden Turm im Westen.

Hell und freundlich wirkt der im ursprünglichen Stil angebrachte Aussenanstrich.

Wir betreten die Kirche durch einen kleinen kreuzgewölbten Raum, in dem ein von der Söckinger Familie Lenbach gestiftetes Tafelbid mit der Darstellung der Kreuztragung Christi hängt. Es ist eine sehr gute Arbeit aus dem 16. Jahrhundert.

   
Das Kircheninnere ist ein kleiner, wohl proportionierter, schlichter Raum mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor und einer Holztreppe im Westen. Die Wandgliederung besteht aus kaum vortretenden, schmucklosen Pilastern, jeweils doppelt im Langhaus und einfach im Chorraum. Nur der golden ornamentierte Chorbogen mit den ebenfalls vergoldeten Blattkapitellen ist hervorgehoben. Er trägt im Scheitel eine Kartusche mit einer auf das 2. Buch Mose bezogenen Inschrift.


Die stark restaurierten Deckengewölbe tragen Fresken des 18. Jahrhunderts, im Chorraum ist das Martyrium des Stephanus dargestellt, im Langhaus die Kreuzesaufrichtung; außerdem jeweils sechs Madaillons in Chor und Langhaus, wobei die des Langhauses erst durch die Restaurierungsarbeiten aufgedeckt wurden. Es sind Heiligendarstellungen: Laurentius mit dem Rost, Jakobus d.Ä. mit Pilgerstab und Pilgerflasche, Johannes d.T., Anna mit dem Marienkind, Philippus mit dem Kreuzesstab und der hl. Patricius mit dem Lamm. Dieser letzte Heilige ist bei uns nicht so bekannt, man findet ihn häufiger im ikonographischen Programm schwäbischer Kirchen, wo er als Patron der Hirten und Schützer der Haustiere verehrt wird
Die Medaillons im Chor stellen den hl. Nepomuk und den hl. Franz Xaver dar, erster als „Brückenheiliger“ bekannt geworden, letzterer als Apostel Japans und Indiens, vollzieht eben die Taufe. Die vier anderen Medaillons haben emblematische Darstellungen zum Thema, d.h. bestimmte Bildtypen, die sich inhaltlich auf den theologischen Hintergrund des Stephanusmartyriums beziehen. Wir erkennen einen Amboß, einen Adler, einen Phoenix und eine Blume; dazu gehören Inschriften aus der Bibel.


   


Den ausführenden Meister dieser Fresken kennen wir nicht. Ihn mit dem Maler Johann Baptist Bader, dem sog. „Lechhansl“ in Zusammenhang zu bringen, wie da und dort angenommen wird, scheint eher aus stilistischen Gründen nicht zuzutreffen.

Die Ausstattung der Kirche wird bestimmt von drei neuromanischen Altären, wobei der Hochaltar reicher und aufwendiger gearbeitet ist als die Seitenaltäre. Die Figuren am Hochalter sind eine Maria mit Kind, ein Stephanus und eine hl. Elisabeth. Die Madonna steht in der Mitte einer Nische, die beiden Heiligen links und rechts davon unter Baldachinen. Es sind sehr qualitätvolle Figuren aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wobei die Figur der Maria an Werke des Weilheimer Bildhauers Christoph Angermeir erinnert. Die Halbfigur Gott Vaters in der Nische oberhalb der Maria scheint später entstanden zu sein, sie ist sehr lebendig und räumlich gearbeitet.

Die beiden Seitenaltäre links und rechts des Chorbogens sind etwas schwer und massiv für den schlichten kleinen Kirchenraum. Auf den Altarblättern des 19. Jahrhunderts erkennen wir den hl. Stephanus und einen nicht näher zu benennenden Papst, da das persönliche Attribut fehlt. Wahrscheinlich haben wir es mit Papst Urban oder Sylvester zu tun, da beide auch auf der Skizze Hebenstreidts erscheinen. Auf der Altarmensa dieser Seitenaltäre steht links die Figur eines sitzenden Petrus, rechts einer Magdalena, Arbeiten des 18. Jahrhunderts.

Ebenfalls ins 18. Jahrhundert sind alle 14 Tafeln eines Kreuzwegs zu datieren, deren Inschriften erst jetzt zum Vorschein kamen. Die letzte der Tafeln trägt außerdem die Signatur des Malers und die Datierung: Anno 1760 Matthias Schmidt, Maler und Bildhauser zu ................(Ortsangabe fehlt).

Der große, ausdrucksvolle Kruzifixus an der südlichen Langhauswand stammt auch aus dem 18. Jahrhundert; desgleichen die Wangen des Gestühls, die besonders schön sind. Sie gehören der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an und lassen auf einen sehr guten Vorentwurf schließen.

   
Der sog. „Söckinger Engel“ (das Geschenk eines Illertissener Kaufmanns an das hiesige Pfarramt mit dem Vermerk, dieser Engel stamme aus unserer Kirche) steht jetzt im Chorraum, links vom Hochaltar. Die Figur war früher gefaßt und wird um 1700 entstanden sein. Wahrscheinlich gehört sie zu einer Verkündigungsgruppe, wir haben uns also eine Maria dazu vorzustellen, ähnlich wie in der Pfarrkirche zu Utting am Ammersee, wo es einen sehr ähnlichen Engel gibt.

Schließlich noch ein Blick auf die Kanzel und den eigenartigen Opferstock im unteren Teil der Mittelstütze der Empore, der ein originelles Unikum zu sein scheint.
Die Kanzel mit dem Schalldeckel ist in der kleinteiligen Schmuckhaftigkeit ein gutes Beispiel für die Zeit um die Mitte des 17. Jahrhunderts (die vier Figürchen der Evangelisten vor den Nischen sind abhanden gekommen).

 


   
Vielerlei gibt es also anzusehen in unserer Stephanskirche, wie wir gesehen haben. Nichts ist über die Entstehungszeit überliefert, die Ausstattungsstücke gehören den verschiedensten Stilfstufen an - es wäre reizvoll und lohnend zugleich, nach Quellen zu forschen, um mehr über unsere Kirche in Erfahrung zu bringen.
Söcking, im Juli 2003

Eugen Josef Hartmann

Quellenhinweis:    Forian Geis, Die Kirche St. Ulrich zu Söcking
Dr. Heidrun Winkler, Kunsthistorische Anmerkungen zu St. Stephan in Söcking
Fotos:   Peter Rolf Hartmann
Aufbereitung für's Internet:   Wolfram Zucker (12. Februar 2006)


Grundriss von St. Ulrich